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Autobahn in die Vergangenheit

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Autobahn in die Vergangenheit
Znak dna o mistycznym znaczeniu.

Deutsche und polnische Studenten der Archäologie legten Überreste slawischer Besiedlung von vor 1000 Jahren bei Ragow aus

Andrea Müller

Ragow. Nahe Ragow mitten auf den Äckern zwischen der Gemeinde und Mittenwalde wurden Überreste slawischen Lebens sprichwörtlich ausgegraben. Angehende Archäologen der Freien Universität Berlin (FU) sowie der Universität im polnischen Szczecin haben sich unter Leitung von Morton Hegewisch und Felix Biermann zwei Wochen Zeit genommen, sich der Geschichte dieser Gegend zu widmen.

Koparka
Koparka na polu koło Ragow. Bei den Ausgrabungen mit dem Bagger,

Bagger legte Gräben mit Funden frei

„Vorsichtig jetzt, vorsichtig“, rief Felix Biermann dem Baggerfahrer zu, der mitten auf dem Feld entlang einer Schnur sacht einen Graben frei legte. Was der Mann am verlängerten Arm aushob und daneben wieder ablegte, untersuchte seine Kollegin mit dem Metalldetektor.

Studenten arbeiteten mit Schäufelchen und Pinsel

Weiter vorn hocken die Studenten aus Szczecin in einer Grube und arbeiten mit Schäufelchen und Pinsel. „Wir haben schon eine Menge gefunden“, erklärte ihr Professor. Dazu gehörten Gewandspangen, Ringe, aber auch tierische Knochen und Scherben von Keramik aus unterschiedlichen Epochen. Zum einen handele es sich um Menkendorfer Keramik, die im 9. und 10. Jahrhundert in slawischen Siedlungen angefertigt wurde und eher sehr einfach gehalten sei. Der andere Typ, der erst später entstand, sei bereits wesentlich anspruchsvoller. Die Wände seien oftmals schon gewölbt, die Ränder umgebogen und die Keramik aufwändig verziert.

Zeit der Entstehung der Siedlung festgestellt

Aufgrund dieser Funde, aber auch der entdeckten Überreste von Häusern, Feuerstellen und Speichergruben, könne die Zeit dieser ehemaligen slawischen Siedlungen festgelegt werden. „Dieses Dorf gab es hier um 1000 nach Christi“, erklärte Felix Biermann, der mit seinen polnischen Studenten vor allem Englisch spricht, wobei das ein oder andere polnische Wort eingewoben wird. 

Studenci z Uniwersytetu w Szczecinie
Studenci z Uniwersytetu w Szczecinie na wykopisku koło Ragow na terenie Niemiec.

Zeichen mit mythischer Bedeutung

„Znak dna“, rief Biermann einem polnischen Studenten zu, der sofort zur richtigen Tüte mit den Funden griff und eine Scherbe mit einem Zeichen darauf herauszog. Es war eine Art Kreuz. „Das ist ein Zeichen, das auf den Boden des Gefäßes angebracht wurde“, erläuterte der Professor. Wahrscheinlich habe es sogar mythische Bedeutung oder eine heilbringende Wirkung. Daniel Ograbek, der Archäologiestudent von der Uni Szczecin, holte weitere Scherben aus verschiedenen Tüten. Seine Begeisterung für das, was er hier machte, war deutlich zu spüren.

Zukunftsweisende Arbeit

„Wenn wir nicht wissen, was vor uns passiert ist, können wir die Zukunft nicht klug gestalten“, meinte er. Nur so könnten Fehler aus der Vergangenheit vermieden werden. Deswegen sei die Arbeit von Archäologen unheimlich wichtig. 

Altdorf rund 500 Meter entfernt

Das alte Dorf Ragow befand sich Luftlinie rund 500 Meter entfernt von der heutigen Ortschaft. Die damaligen Bewohner  – es waren vermutlich so um die 150 – haben es auf einer leichten Anhöhe errichtet, ganz in der Nähe sumpfiger Landschaft. So war man gut geschützt und hatte doch jederzeit Wasser zur Verfügung. „Es waren vor allem Bauern, die hier lebten und arbeiteten“, so der Professor. Als später die Deutschen in dieses Gebiet kamen, seien die Slawen in der Regel integriert worden: Zeugnis eines guten Miteinanders wie es die deutschen und polnischen Studenten gerade in der Moderne über den Gräben der Vergangenheit fortsetzen.

Unterkiefer einer Kuh
Żuchwa krowy – Unterkiefer einer Kuh.

Funde kommen ins Archiv

Alles, was die angehenden Archäologen fanden, werde prospektiert, dokumentiert und der weiteren wissenschaftlichen Arbeit zur Verfügung gestellt. „Die Funde kommen ins Archiv des Landesamtes für Denkmalpflege“, so Felix Biermann.

Hobbyforscher helfen mit

Aufmerksam geworden auf diese alte slawische Siedlung war man durch Hobbyforscher geworden, die als ehrenamtliche Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege unterwegs sind. Zu ihnen gehöre auch Bernd Fischer aus Zeuthen, der auf die Siedlung bei Ragow gestoßen war.

Daniel Ograbek z Uniwersytetu w Szczecinie na wykopisku w Ragow na terenie Niemiec. Daniel Ograbek bei von der Uni Szczecin bei den Ausgrabungen, Autor Andrea Mueller

Förderung vom Wissenschaftsministerium

In der zweiten Woche waren die sieben polnischen Studenten gemeinsam mit den deutschen Studienkollegen der FU Berlin und Morton Hegewisch auf der anderen Seite an einer Fundstelle hinter Ragow unterwegs. „Was wir hier machen, das ist wie eine Autobahn in die Vergangenheit“, betonte Felix Biermann. Das gemeinsame Projekt zwischen den beiden Universitäten wurde vom Brandenburger Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur gefördert, durch das das zweiwöchige Praktikum überhaupt erst möglich geworden sei.

Erstveröffentlichung unter http://www.maz-online.de