Seit einigen Wochen denke ich an den 1. September. Vor 80 Jahren brach der Zweite Weltkrieg aus. In zwei Wochen werde ich wieder nach Krakau reisen, wo ich erneut Polnisch lernen werde, worauf ich mich sehr freue. Ich habe wirklich ein schönes Leben und großes Glück, nicht im Krieg geboren worden zu sein, der am 1. September 1939 ausbrach. Doch ich weiß, dass der Krieg überall ist. Nicht hier in Zentraleuropa, dafür aber in Syrien, in Afrika, in der Ukraine. Die Fratze des Krieges sehen wir jeden Tag im Fernsehen.

Schrecklich, aber sie überlebten

Am 1. September 1939 vor 80 Jahren begann der Zweite Weltkrieg mit dem Überfall der Deutschen auf Polen. Meine Mutter war damals zwölf Jahre alt, mein Vater 20. Sie musste mit ihren Eltern nach Wagrowiec (Eichenbrück) umziehen. Er wurde Soldat der Wehrmacht und musste in Frankreich kämpfen. Meine Mutter verliebte sich in der Fremde in einen Deutschen, der jedoch fiel. Mein Vater erinnerte sich noch lange nach dem Krieg an die Arbeit auf dem Bauernhof, wo er als Kriegsgefangener zu arbeiten hatte. 

Sicher war das schrecklich für sie, aber immerhin haben sie überlebt.

Deutsche legten die Welt in Schutt und Asche

Doch wie viele Menschen starben? Es waren Millionen. Ein jeder von ihnen starb seinen eigenen schrecklichen, grausamen Tod. Wie viel Unrecht ist geschehen? Wie viel Gewalt wurde verübt? Wie viel geraubt? Die Deutschen legten die Welt in Schutt und Asche. Warschau zum Beispiel war nur noch ein Trümmerhaufen.

Die Hand reichen

Polen verlangt nun erneut Reparationszahlungen, obwohl dieses Land in den Jahren nach dem Krieg wieder so schön geworden ist. Ich kann das sehr gut verstehen. Doch ich persönlich kann nicht dafür aufkommen, was meine Vorfahren zerstört haben. Ich selbst kann die Kunst, die gestohlen wurde, nicht zurück geben. Ich kann nur um Vergebung bitten und meine Hand reichen… als Zeichen der Versöhnung. 

Erzählungen von Andrea-Yvonne Müller
Grossmamas Chopin – Chopin babci – so heißt das Buch von Andrea-Yvonne Müller, aus dem am 12. September um 19 Uhr in der Stadtbuchhandlung Radwer in Königs Wusterhausen, Bahnhofstraße 11, gelesen wird. Karten gibt es direkt dort.

Zweisprachige Erzählungen

Sehr gern würde ich das mit jeder Polin und jedem Polen tun. Das geht natürlich nicht. So habe ich mich hingesetzt, um Polnisch zu lernen. Jetzt ist daraus ein Buch geworden mit deutsch-polnischen Erzählungen. Elf sind darin enthalten – und jede beruht auf einer wahren Begebenheit. Ich erzähle über Begegnungen von Deutschen mit Polen und von Polen mit Deutschen.

Das Buch habe ich nicht nur auf Deutsch geschrieben, sondern auch auf Polnisch. Ich will damit ein Zeichen setzen, denn ich weiß, dass die Kriegswunden noch lange nicht geheilt sind. 

Viele Lesungen

In diesem Jahr – 80 Jahre nach Ausbruch des Krieges – fand meine erste Buchlesung im Sprachcafé in Pankow statt. Dann gab es Lesungen in Frankfurt / Oder, in Slubice, in Krakau, auf der Leipziger Buchmesse, in Niechorze und last but not least in einem polnischen Geschäft in Berlin-Köpenick. Jedes Mal las ich nicht allein, sondern gemeinsam mit einer Polin – sie las auf Deutsch, ich selbst auf Polnisch.

Jetzt in Königs Wusterhausen

Pani Andrea
Andrea Müller auf dem Rynek in Krakau.

Am 12. September werde ich nun in Königs Wusterhausen eine Lesung haben, einer Kleinstadt bei Berlin, in der ich als Reporterin der Märkischen Allgemeinen Zeitung arbeite. Hier gibt es eine tolle Stadtbuchhandlung auf der Bahnhofstraße. Chefin Sylvia Senger freut sich sehr, mich bei sich zu Gast zu haben inmitten so vieler Bücher. Und nicht nur mich, denn auch hier wird die Lesung zweisprachig sein, denn mit mir liest Sylwia Walter aus Schulzendorf.

Das Ziel erreichen

Ich fühle Verantwortung für das, was sich vor nun genau 80 Jahren ereignet hat. Großes Unrecht ist geschehen. Mein Buch ist mein Weg zu den Polen. Ich weiß nicht, ob ich mein Ziel erreiche, aber ich würde es mir sehr wünschen.

Lesung mit Andrea-Yvonne Müller und Sylwia Walter aus „Grossmamas Chopin – Chopin babci“ (erschienen im Treibgut Verlag Berlin) in der Stadtbuchhandlung Radwer in Königs Wusterhausen, Bahnhofstraße 11.

Karten können direkt in der Stadtbuchhandlung Radwer gekauft werden.

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