Die weiße Stimme aus dem deutschen Bauch

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Joanna Slowinska
Joanna Slowinska beim Workshop Weiße Stimme in Krakau

Ihr müsst aktiv sein!

MP3-Aufnahme von dem Workshop mit Joanna Slowinska

Auf der Krakower Tomas-Straße gibt es eine geheimnisvolle Zone „Strefa“. Sie ist wie ein Magnet. Ich war dort mit zwei Freundinnen, musste aber drei Tage später erneut hin. Am Sonntag fand hier ein Konzert mit Joanna Slowinska statt; schon am Mittwoch drauf sangen wir mit ihr Lieder in der sogenannten „weißen Stimme“ aus dem Bauch heraus.

Die „weiße Stimme“ wird nicht im Hals gebildet, sondern in den Tiefen des Bauchs, mit der Kraft der Lunge und den Muskeln des ganzen Körpers. 

„Ihr müsst aktiv sein“, sagte Joanna.

All das wussten wir aber noch nicht, als wir zur „Strefa“ gingen, wo der Gesangsworkshop stattfand.  Wir ahnten nicht, auf was wir uns einließen, als wir Tickets für 30 Zloty pro Person kauften.

Die Gruppe bestand aus 25 Personen, darunter vier Deutsche, die gerade in der Schule Varia Polnisch lernen, und drei Amerikanerinnen. Zudem waren zwei Männer gekommen – Kuba und ein Blinder. Es schien, dass alle Polnisch sprachen. Wir armen Deutschen jedoch nur ein wenig. Ein wenig!  Und Joanna? Sie sang, sang, sang … in polnischer Mundart Volkslieder. Ohne Erbarmen!

Die Polen kamen zurecht. Und wir? Wir natürlich auch, nur dass wir die Texte etwas abänderten, denn wir konnten sie nicht einmal ausgedruckt zuvor durchlesen. Wir sollten sie aus dem Gedächtnis singen, was super ist. Normalerweise! Die Polen kannten die Worte sicherlich, aber wir sangen gewissermaßen, was wir hörten. Das ging etwa so:

Mama moja 

Chodzą goście

Coś tam coś tam i ……na moście

Coś tam coś tam…..

Hojni nojni dula

Hojni nojni dula

Wir beobachteten genau, wie die Polinnen gegenüber sangen und äfften ihre Mundbewegungen nach. Joanna aber erhob den Zeigefinger und gab uns so zu verstehen – o Wunder! – dass wir es zumindest geschafft hatten, den Ton zu halten.

Und endlich gab sie uns Ausländern die Chance, zuerst den Text zu hören, seinen Inhalt zu verstehen, um dann richtig mitzusingen.

Zielone świątki

Opal Boże moje zboże

Sąsiadowi ile możesz

Głóg, tarnina, cierń szypszyny

Więcej tu nie będzie zimy

Święć się, miedzo, święć!

Opal Boże moje zboże

Sąsiadowi ile możesz

Okadź w dym jałowca, ostów

Jodły, pokrzyw rozsyp popiół

Nie przyjdzie tu grad!

Opal Boże moje zboże

Sąsiadowi ile możesz

Dzika róża, głóg, tatarak

Żytko wzejdź na nowe latko

A przenicka dla konika

A dla złego nic!

Uciekaj, śmieciu,

Bo cię będę święcił

Uciekaj, kąkolu

Bo cię będę smolił

Drzwi nam w brzozę przystrój Boże

Sąsiadowi ile możesz

Uchroń od wszelkiego złego

Ducha ześlij nam świętego

Święć się, wodo, święć!

Super!

Für uns war es aber doch zu viel. Die Polinnen aber sangen toll. Es lohnte sich für einen Moment innezuhalten und einfach zuzuhören. Jede hatte wohl inzwischen die eigene Stimme gefunden. Der blinde Mann auch. Er sang wundervoll!

Nach zwei Stunden hatten wir keine Kraft mehr, um noch weitere Lieder zu singen. In unseren deutschen Bäuchen war nichts mehr. Wir spürten nur noch Hunger. J

Joanna indes verriet, dass sie sechs Stunden so ohne Pause singen könnte. Hut ab!

Workshops mit Joanna Slowinska, Krakow, ul. Świętego Tomasza 31, Strefa Etno

www.slowinska.art.pl

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