Ein Himmel aus Tupfern und Blumen

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Geschirr aus Boleslawiec
Die Werkstätten in Boleslawiec haben auch wunderschöne Käsebehälter.

Leere – nach meinem Umzug herrschte im Küchenschrank gähnende Leere. 

Schluss mit dem Grau

Vor drei Jahren hatte ich in einem schwedischen Möbelhaus mit vier gelben Buchstaben Teller gekauft. Sie waren sehr modern, also grau. So grau wie der Himmel im November. Grau wie die Haare des Großvaters. Grau wie die Erde im Winter ohne Schnee. Ich weiß schon gar nicht mehr, warum ich mich damals gerade für solche entschied. Jetzt hatte ich genug von ihnen! Ich sehnte mich nach einem blauen Himmel mit Tupfern und Blumen.

Ich fand ihn diese Woche.

Alles zu haben

Dieser Himmel ist ganz und gar nicht groß. Die Türen zu ihm sind aus Glas und öffnen sich automatisch. Hier kommt jeder in den Himmel. Hier gibt es wirklich alles, selbst das, was ich mir selbst in meinen kühnsten Träumen nicht zu erahnen war. Einst hatte alles hier nur ein Muster. Weltbekannt: Weiße Tupfer mit einem blauen Pünktchen in der Mitte sowie beige Tupfer im Wechsel mit grünen Blättchen. Blauer Hintergrund – weißer Rand. Jetzt aber gibt es Muster über Muster, mit Blumen, Punkten, Strichen, mit Motiven zu Ostern oder zu Weihnachten, mit Vögelchen und Blättern unterschiedlicher Bäume. Ein Paradies!

Rynek w Bolesławcu
Rynek w Bolesławcu

Traditionelle Muster zu bestellen

Im ersten Moment war ich sprachlos. Ich wusste nicht, wohin zuerst gehen, was als erstes zur Hand nehmen. Zum Glück war ich nicht allein, sondern mit Freundinnen aus dem Polnischkurs. Jutta wusste ganz genau, was sie suchte: Einen Brottopf. Conni wollte eine Butterdose. Und ich? Ich suchte Frühstücksteller und eine große Teller. Zudem wollte ich Schälchen mit dem klassischen Muster. Gab es leider nicht. „Haben wir aber das ganze Jahr. Allerdings muss man bestellen“, sagte die Verkäuferin. Schließlich entschied ich mich für Schalen mit einem ähnlichen Muster. Auch diese waren wunderschön.

Geschirr aus Boleslawiec
Kännchen aus einer Kermaikwerkstatt in Bunzlau.

Muster färbt ab

Nach dem Einkauf aßen wir Mittag im ältesten Restaurant auf dem Marktplatz „Unter dem goldenen Engel“. Jutta hatte eine Zapiekanka, eine, wie wir sie noch nicht kannten aus Kartoffelpüree mit Sellerie und Käse überbacken. Ich dachte immer, das wäre ein Baguette mit etwas drauf. Selbst bestellte ich mir eine Krokette zum Barsch. Conni dagegen bekam den „Schlesischen Himmel“ mit Kassler, Hefeklößen und einer Soße mit Aprikosen und Pflaumen. Da war er wieder der Himmel. Die Sonne schien, ich war glücklich. Als ich zufällig nach unten blickte, entdeckte ich, dass selbst meine Hose inzwischen das typische Muster der Keramik aus Bunzlau angenommen hatte…

Bunzlauer Muster auf der Jeans
Irgendwann nehmen selbst die Hosen das Muster des Bunzlauer Geschirrs an…

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