Mach’s gut Ola!

Ola Gołdyn
Ola Gołdyn ze szkoły językowej Varii w Krakowie wyręczyła nam dyplomy. Ola Gołdyn von der Sprachenschule Varia in Krakau überreichte uns die Diplome.

Meine Polnischlehrerin Ola Gołdyn verstarb nach kurzer schwerer Krankheit am 18. Januar - sie wird für immer in meinem Gedächtnis bleiben

Es ist keine vier Monate her, als ich mit dir, liebe Ola, und meiner Mitstudentin Susanna, erneut in einem Klassenraum der Sprachschule Varia in Krakau saß, um Polnisch zu lernen. Es ist unfassbar, dass du nun nicht mehr da bist; am Freitag wirst du nach kurzer schwerer Krankheit beerdigt.

Ich erinnere mich, dass du so schreckliche Angst hattest vor dem Corona-Virus. Doch nun war es der Krebs, der dich besiegt hat. Wie konnte das so schnell geschehen?

Du brachtest so vielen die polnische Sprache bei

Im Spätsommer des vergangenen Jahres waren wir zwei Wochen lang so wunderbar fröhlich zusammen. Es amüsierte uns, wenn du uns strahlend erklärtest, du seist der „Dinosaurier“ bei Varia, weil du schon so lange dabei bist. Zig Studenten aus unzähligen Ländern haben von dir Polnisch in all diesen Jahren gelernt, vom „Dzien dobry –  guten Tag“ bis hin zum „zwężające ku doluwi – sich nach unten verjüngend“. Du hast uns über polnische Bücher und Filme erzählt, über Politik diskutiert und immer einen guten Rat parat gehabt. Nein nein, es geht mir hier nicht um Lebensweisheiten, sondern um die praktischen Dinge des Sprachenlernens. Denn wo besser könnte man die lernen als in einem guten Café oder einer angesagten Kneipe. Aufgrund deiner Empfehlung schaute ich mir „Die einsame Frau“ von Agnieszka Holland an, las „Pokora“ von Szczepan Twardoch und traute mich an das Jahrhundertwerk von Olga Tokarczuk „Die Jakobsbücher“ in Originalsprache. Wir haben darüber im Unterricht in Krakau gesprochen.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge

Die Zeugnisse nach dem Sprachkurs hast du uns im Restaurant „Dynia“ überreicht – mit einem lachenden und weinenden Auge haben Susanna und ich sie entgegen genommen. Wir hatten wieder viel gelernt, aber noch nicht alles beherrscht. Es ist eine hohe Kunst, Studenten dennoch zum Weitermachen zu ermuntern. Die beherrschtest du wie keine andere.

Und was ich dir nie vergesse: Dass du mir geholfen hast, meine Geschichten für mein deutsch-polnisches Buch „Chopin babci – Großmamas Chopin“ zu korrigieren. Du und Magda hattet in jenem Jahr vor seinem Erscheinen viel Arbeit während meines Aufenthaltes in Krakau hinein gesteckt. Gemeinsam mit dem Varia-Team bist du auch zu meiner Lesung im Goethe-Institut gekommen. Das ist und bleibt für immer in meinem Gedächtnis.

Unsere Treffen über Skype

Ola, wir sahen uns zum letzten Mal im Dezember 2020 über Skype. Seit dem letzten Unterricht mit dir im September trafen wir uns fast wöchentlich, um sprichwörtlich über Gott und die Welt zu reden. Zuletzt waren die Schmerzen so unerträglich für dich, dass du bei unseren Zusammenkünften nicht mehr dabei sein konntest.

Der Abschied

Wir fieberten mit dir, dass der geplante Eingriff kurz vor Weihnachten erfolgreich sein möge und du dich im Krankenhaus nicht mit Corona ansteckst, deiner bis dahin größten Sorge. Am 23. Dezember wünschte ich dir und deiner Familie ein frohes Weihnachtsfest, worauf du antwortetest, du müsstest über die Feiertage im Krankenhaus bleiben. Ich erschrak mich fürchterlich und schrieb beste Genesungswünsche.

Du antwortetest kurz, wahrscheinlich schon wissend, wie es um dich steht:

„Trzymajmy sie ciepło – mach’s gut“

Droga Olu, trzymajmy sie ciepło – Ola, mach’s gut!